Versicherungen – vom Risiko zur Franchise

Zuerst verstehen, warum es Versicherungen gibt. Dann rechnen.
Risiko → Solidarität → Versicherung → Franchise → Selbstbehalt → Zufall → Anwendung
Fünf Lernende stehen ruhig hinter einem grossen, leuchtenden Schutzschild. Rundherum passieren die Risiken: ein Wasserschaden in der Wohnung, ein Velounfall mit einem Auto, ein gesprungenes Smartphone, eine kranke Frau im Bett und eine Auffahrkollision.
🛡

1. Risiko: Was, wenn etwas passiert?

Alle fünf haben etwas gespart. Dann passiert etwas – niemand weiss vorher, wem.

❓ LeitfrageWie kann man sich gegen ein solches finanzielles Risiko schützen?

Die Beträge sind realistische Beispielrechnungen, keine Preisliste: Sie sind aus einzelnen Positionen zusammengesetzt und beruhen auf zwei belegten Ankern – rund 2’600 Franken pro Spitaltag (Spitalstatistik, Akutsomatik) und rund 50 Franken pro Physiotherapie-Sitzung (48 Taxpunkte mal kantonaler Taxpunktwert). Eine echte Rechnung fällt je nach Spital, Kanton und Verlauf höher oder tiefer aus.

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2. Solidaritätsprinzip – gemeinsam tragen wir Risiken

Viele zahlen regelmässig Prämien in einen gemeinsamen Topf. Nur wenige haben einen Schaden – der Topf hilft ihnen.

💡 MerkeVersicherung ist Solidarität: Viele bezahlen ein, damit wenige im Ernstfall finanziell nicht allein sind.
100 Personen
Jede zahlt CHF 300 pro Jahr
🪙🪙🪙
Versicherungs-Pool
CHF 0

Geld aus dem Pool wird im Schadensfall ausbezahlt.

Im gleichen Jahr

So funktioniert es

👨‍👩‍👧
Viele Personen mit ähnlichen Risiken
→
🐷
Alle zahlen regelmässig eine Prämie ein
→
🫙
Das Geld fliesst in einen gemeinsamen Pool
→
🛟
Wer einen Schaden hat, erhält Unterstützung
→
🤝
So bleibt niemand mit hohen Kosten allein

Vorteile für alle

  • Finanzieller Schutz im Ernstfall
  • Planbare, regelmässige Prämien statt unkalkulierbarer Risiken
  • Unterstützung durch die Gemeinschaft
  • Mehr Sicherheit im Alltag
❓ Überlege«Ich war dieses Jahr nie krank. Also habe ich meine Krankenkassenprämien umsonst bezahlt.»
Richtig: Stimmt nicht. Sie haben nicht eine Behandlung bezahlt, sondern sich gegen das Risiko abgesichert, dass Sie einmal hohe Kosten haben. Ein Jahr ohne Krankheit ist kein verlorenes Geld – es ist ein gutes Jahr. Und Ihre Prämie hat jemand anderem geholfen, dessen Jahr weniger gut lief.
🏥

3. Krankenkasse – Franchise und Selbstbehalt

Mia war krank. Die Rechnung beträgt CHF 2'500. Wer zahlt welchen Teil? Schritt für Schritt.

Mia
Mia
Franchise gewähltCHF 300
Selbstbehalt10 %
Rechnung totalCHF 2'500
Arztrechnung
🩺 ArztkonsultationenCHF 600
🧪 LaboranalysenCHF 800
💊 MedikamenteCHF 400
🩻 UntersuchungenCHF 700
TotalCHF 2'500
Das Ergebnis
CHF 520
bezahlt Mia selbst
CHF 1'980
bezahlt die Krankenkasse
CHF 2'500
Total der Rechnung
💡 MerkeFranchise = der Betrag, den Sie pro Jahr zuerst selbst bezahlen. Selbstbehalt = 10 % von allem, was darüber liegt – höchstens CHF 700 pro Jahr für Erwachsene (CHF 350 für Kinder). Ist auch der maximale Selbstbehalt erreicht, übernimmt die Grundversicherung die weiteren gedeckten Kosten.
❓ ÜberlegeWarum ist die Prämie bei einer höheren Franchise tiefer? Und wo liegt der Haken?

Kostenbeteiligung nach KVG/KVV, Stand 2026: Grundfranchise CHF 300, Selbstbehalt 10 %, Maximum CHF 700 pro Jahr (Erwachsene). Dazu kommt bei Spitalaufenthalt ein Beitrag von CHF 15 pro Tag – nicht für Kinder und Personen in Ausbildung bis 25. Bei einzelnen Originalpräparaten mit günstigerem Generikum gilt ein erhöhter Selbstbehalt von 40 % (KVG Art. 52a).

🧮

4. Franchise-Experiment

Schieben Sie die Gesundheitskosten eines Jahres – und sehen Sie, welche Franchise am Ende am günstigsten wäre.

❓ LeitfrageLohnt sich eine hohe Franchise – und ab welchen Gesundheitskosten kippt es?

Wer sind Sie?

Ihre Franchise

Gesundheitskosten in diesem Jahr: CHF 0

CHF 0CHF 6'000CHF 12'000

Alle Franchisen im Vergleich

Beispielprämien auf Basis der schweizerischen Durchschnittsprämien 2026 (BAG): Erwachsene CHF 465.30, junge Erwachsene CHF 326.30, Kinder CHF 122.50 pro Monat. Der Rabatt für höhere Franchisen ist gesetzlich begrenzt auf 70 % der Franchise-Differenz (KVV Art. 95) – hier voll ausgeschöpft. Ihre Kasse kann abweichen.

🎲

5. Ihr Jahr – der Zufall entscheidet

Simulieren Sie ein Jahr mit zufälligen Gesundheitskosten. Am Ende sehen Sie, wie viel Sie selbst bezahlen müssen.

💡 ZufallEr bestimmt, wann und wie oft Sie Leistungen brauchen – nicht Sie.
Mia
Mia
Franchise gewählt
Selbstbehalt10 %
Prämie pro Jahr–
🛡 Ihre Wahlwirkt sich direkt auf die Kosten aus.

Zahnbehandlungen und Brillen ab 18 zahlt die Grundversicherung nicht – solche Positionen erscheinen grau und laufen nicht über Franchise und Selbstbehalt.

🧩

6. Welche Versicherung zahlt?

Ordnen Sie jede Situation der richtigen Versicherung zu – ziehen oder antippen.

Versicherungen

👥Wer ist betroffen?Eine Person, eine Sache oder Ihr Vermögen?
⚠️Wer verursacht den Schaden?Sie selbst oder eine andere Person?
🏠Was ist versichert?Ein Schaden bei Ihnen oder bei anderen?
🗂

7. Personen, Sachen oder Vermögen?

Versicherungen schützen unterschiedliche Dinge. Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen.

👤Personenversicherungen
Sie schützen die Gesundheit und das Leben von Personen.
🧑‍⚕️
Beispiele
  • Krankenversicherung
  • Unfallversicherung (UVG)
  • AHV / IV, Pensionskasse
  • Lebensversicherung
🏠Sachversicherungen
Sie schützen Gegenstände und Sachen.
🛋
Beispiele
  • Hausratversicherung
  • Gebäudeversicherung
  • Kaskoversicherung
  • Reisegepäck
💰Vermögensversicherungen
Sie schützen das Vermögen und die finanziellen Interessen.
📈
Beispiele
  • Privathaftpflicht
  • Motorfahrzeug-Haftpflicht
  • Rechtsschutzversicherung
  • Betriebsunterbruch
❓ ÜberlegeIn welche Kategorie gehört die jeweilige Versicherung? Ziehen oder antippen.
Versicherungen einsortieren
Person
Sache
Vermögen

💡 FaustregelZahlt die Versicherung für mich (Person), für meine Sachen (Sache) oder für den Schaden, den ich anderen zufüge (Vermögen)?
🇨🇭

8. Obligatorisch oder freiwillig?

In der Schweiz gibt es sowohl verpflichtende als auch freiwillige Versicherungen.

Obligatorisch (Pflicht)
Gesetzlich vorgeschrieben – je nach Lebenssituation. «Obligatorisch» heisst nicht, dass jede Person jede dieser Versicherungen braucht.
🏥KrankenversicherungGrundversicherung – bei Wohnsitz in der Schweiz, KVG Art. 3
🚗Motorfahrzeug-Haftpflichtwer ein Fahrzeug immatrikuliert, SVG Art. 63
👷UnfallversicherungBerufsunfälle: für alle Arbeitnehmenden
Nichtberufsunfälle: ab 8 h pro Woche
👴AHV / IV / EOSozialversicherungen – bei Wohnsitz oder Erwerbstätigkeit in der Schweiz
Freiwillig (frei wählbar)
Nicht vorgeschrieben – Sie entscheiden selbst, ob und welche Sie abschliessen.
🏠Hausratversicherungoft im Mietvertrag verlangt
👤Privathaftpflichtpraktisch unverzichtbar
✈️ReiseversicherungAnnullierung, Rückreise
📈Spar- / LebensversicherungVorsorge Säule 3a
💡 MerkeObligatorische Versicherungen sichern Risiken ab, die für die Gesellschaft besonders wichtig sind. Freiwillige Versicherungen bieten zusätzlichen Schutz – je nach persönlicher Lebenssituation.

Als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer sind Sie über den Betrieb gegen Berufsunfälle und Berufskrankheiten versichert – unabhängig vom Pensum (UVG Art. 1a). Wer mindestens 8 Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber arbeitet, ist zusätzlich gegen Nichtberufsunfälle gedeckt (UVV Art. 13); dann kann die Unfalldeckung bei der Krankenkasse sistiert werden. Unter 8 Stunden gilt der Arbeitsweg als Berufsunfall. Im Kanton Aargau ist zusätzlich die Gebäudeversicherung für Eigentümerinnen und Eigentümer obligatorisch.

🏆

9. Mini-Challenge

Entscheiden Sie, ob die folgenden Versicherungen obligatorisch (O) oder freiwillig (F) sind.

Und jetzt gerechnet – fünf Fälle

Franchise, Selbstbehalt, Zuständigkeit. Direktes Feedback nach jeder Antwort.

🏆

10. Challenge – zeigen Sie, was Sie können

Sie wissen jetzt, wie Versicherungen funktionieren. Ordnen Sie die Situationen der richtigen Versicherung zu.

💡 Denken Sie daran
  • Wer oder was ist betroffen?
  • Wohin gehört das Risiko?
  • Obligatorisch oder freiwillig?
🎯 Ihre Aufgabe: Welche Versicherung kommt für jede Situation auf? → Karten in die passende Versicherung ziehen

✔

Super! Sie haben es verstanden.

Versicherungen schützen vor finanziellen Risiken – dank Solidarität, klarer Regeln und einer klugen Wahl.

«Viele tragen gemeinsam – so muss niemand alles allein tragen.»
👥Gemeinsamsind wir stärker – das ist Solidarität.
☂️Versicherungen schützendann, wenn es tatsächlich passiert.
🚀Sie sind bereitGut verstanden – gut geschützt.

Das Wichtigste in Kürze

🤝Gemeinsamtragen wir Risiken – niemand steht allein da.
🛡Franchise & Selbstbehaltbestimmen, wie viel Sie selbst bezahlen.
☂️Die richtige Versicherungschützt im richtigen Moment.
⚖️Obligatorisch oder freiwilligklug wählen und vergleichen.
❤️Solidaritätmacht den Unterschied.

👍 Gut gemacht. Jetzt wissen Sie, wie Versicherungen funktionieren – im Alltag und in Ihrem Leben.